Deniz Naki: Der MIT könnte hinter dem Angriff stecken

Der Spieler des Fußballvereins Amed Spor, Deniz Naki, wurde auf dem Weg von Aachen nach Köln auf der Höhe bei Düren beschossen.

08 Ocak 2018 Pazartesi | Deutsch

Auf der Fahrt auf der Autobahn von Aachen Richtung Köln wurde aus einem anderen Auto auf Deniz Naki geschossen (wir berichteten). Zwei Kugeln schlugen in seinem Auto ein. Naki selbst wurde nicht verletzt.

Als Naki plötzlich von links Schüsse hört, fährt er auf die rechte Spur. Er habe die Angreifer nicht erkennen können, berichtete er. „Mehrmals wurde auf mich geschossen. Zwei Kugeln trafen meinen Wagen und dann entfernten sich die Angreifer sehr schnell", so Naki.

Naki sprach mit ANF über den Angriff und erklärte: „Dieser Angriff ist sehr verdächtig. Der MIT könnte hinter dem Angriff stecken." Er habe „Probleme mit dem Gesetz in der Türkei", sagte er und machte auf die Äußerungen des HDP-Abgeordneten Garo Paylans aufmerksam. Paylan hatte auf einer Pressekonferenz im türkischen Nationalparlament erklärt, dass ihm Informationen über Anschlagspläne auf in Europa lebende und aus der Türkei stammende Oppositionelle vorliegen.

Zudem erinnerte Naki an die drei Aktivistinnen Sakine Cansýz, Fidan Doðan und Leyla Þaylemez, die am 9. Januar 2013 vom MIT in Paris ermordet wurden. Er ergänzte „Vielleicht wollen sie mich jetzt, fünf Jahre später, auch ermorden. Sie haben es nicht geschafft und sie werden es nicht schaffen. Ich habe keine Angst! Wir stehen Aufrecht!"

Mordanschlag auf Deniz Naki macht deutlich – Erdoðan-Kritiker sind in Deutschland nicht sicher


NAV-DEM: Wir haben davor gewarnt


„Der Anschlagsversuch auf Deniz Naki beweist das, wovor wir die ganze Zeit gewarnt haben. Kritiker des Erdoðan-Regimes sind in Deutschland längst nicht mehr sicher“, mit diesen Worten bewertet Ayten Kaplan, Ko-Vorsitzende des größten kurdischen Dachverbands NAV-DEM in Deutschland, die in der Nacht abgefeuerten Schüsse auf der Autobahn A4 in der Nähe von Aachen auf das Auto des kurdischen Fußballspielers.

Kaplan kritisiert zugleich auch die Bundesregierung dafür, dass sie die Gefahr, die vom türkischen Geheimdienst und ihren Auftragsmördern gegen kurdische Aktivisten und türkischen Oppositionellen in Deutschland ausgeht, nicht ernst genug nimmt: „Es ist bezeichnend, dass Deniz Naki, der in Amed (Diyarbakir) Fußball spielt, gerade in Deutschland zum Ziel solch eines Angriffs wird. Die jüngste Vergangenheit hat nämlich bewiesen, dass weder die deutsche Justiz noch die Politik hierzulande ein Interesse daran hat, gegen diese Gefahr ernsthaft vorzugehen. Die Ermittlungen gegen die DITIB-Imame wegen Spionage werden fallengelassen, die Mordpläne des Agenten Mehmet Fatih S. gegen kurdische Aktivisten wie Yüksel Koc interessieren die Staatsanwaltschaft erst gar nicht und gegen andere Agenten des türkischen Geheimdienstes MIT, die offenkundig in kurdische Vereine in Deutschland eingeschleust wurden, erhebt die Bundesstaatsanwaltschaft noch nicht einmal eine Anklage, obwohl wir unsere Erkenntnisse stets mit ihr teilen.“

Die NAV-DEM Co-Vorsitzende warnt zudem anlässlich des 5. Jahrestages des Mordes an den drei kurdischen Aktivistinnen Sakine Cansýz, Fidan Doðan und Leyla Þaylemez in Paris durch den türkischen Geheimdienst davor, dass sich ähnliche Fälle in Deutschland wiederholen könnten: „Der Anschlagsversuch auf Deniz Naki zeigt, wie akut die Gefahr der Wiederholung einer solchen Tat auf deutschem Boden ist. Jüngst hatte der HDP-Abgeordnete Garo Paylan gewarnt, dass Auftragsmörder aus der Türkei in Europa und Deutschland unterwegs seien, um gegen Kritiker der AKP vorzugehen. Wir rufen die Bundesregierung ausdrücklich dazu auf, diese Gefahr ernst zu nehmen.“

Kritik äußerte Kaplan auch daran, dass Waffenlieferungen im Gegenzug zur möglichen Freilassung von Deniz Yücel ins Gespräch gebracht werden. „Wer weiß, ob der Schutz von türkischen Geheimdienstaktivitäten gegen kurdische Aktivisten in Deutschland nicht auch Teil der Abmachungen zwischen Gabriel und Çavuþoðlu sind“, so Kaplan.


ANF


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